Ex.CE.L Unternehmensberatung und Arbeitsschutz
Ingenieur- und Sachverständigenbüro
Dipl.-Ing. (mult.) Mario Kräft

Leitender Sicherheitsingenieur
Beratender Ingenieur
Sachverständiger für Explosionsschutz

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IP-Schutzarten

Die Schutzart gibt die Eignung elektrischer Betriebsmittel für verschiedene Umgebungsbedingungen an, zusätzlich den Schutz von Menschen gegen potentielle Gefährdung bei deren Benutzung an.

Grundlagen

Elektrische und elektronische Geräte müssen unter erschwerten Umweltbedingungen über viele Jahre sicher arbeiten. Außer dem zulässigen Temperaturbereich stellt die Beständigkeit gegen aggressive Medien eine Einsatzbeschränkung dar. Zudem muss das Eindringen von Nässe und Fremdkörpern, wie zum Beispiel Staub, für eine zuverlässige Funktion verhindert werden.

Bezüglich ihrer Eignung für verschiedene Umgebungsbedingungen werden die Systeme in entsprechende Schutzarten, sogenannte IP-Codes eingeteilt. Die Abkürzung IP steht für "International Protection", wird aber im englischen Sprachraum als "Ingress Protection" (deutsch: Eindringschutz) verwendet. Alle hier zitierten Normen definieren IP als International Protection.

Für die Einteilung der IP-Codes gibt es zwei verschiedene Normen. Zum einen die DIN EN 60529 (VDE 0470-1) vom September 2000 mit dem Titel Schutzarten durch Gehäuse (IP-Code) sowie die DIN 40050-9 vom Mai 1993 mit dem Titel Straßenfahrzeuge; IP-Schutzarten; Schutz gegen Fremdkörper, Wasser und Berühren; Elektrische Ausrüstung. Wie der Titel bereits aussagt, ist DIN 40050-9 besonders für Straßenfahrzeuge gedacht.

Beide Normen sind zur Zeit (Stand: 06.2010) gültig, unterscheiden sich jedoch im Detail. Bei der Angabe von IP-Codes ist es daher sehr empfehlenswert, die Bezugsnorm anzugeben. Weil sich die Bedeutungen der Schutzklassen innerhalb der jeweiligen Normen im Vergleich zu früheren Ausgaben auch geändert haben, ist es darüber hinaus empfehlenswert, stets auch das Veröffentlichungsdatum der Norm anzugeben, um eine eindeutige Referenz herzustellen.

Mit ISO 20653 vom 15. August 2006 wurde die DIN 40050-9: 1993-05 fast wortwörtlich übernommen. Es besteht daher die Möglichkeit, dass DIN 40050-9: 1993-05 in Zukunft mit dem Verweis auf ISO 20563: 2001-06 zurückgezogen wird. Lediglich in der Staubzusammensetzung unterscheiden sich die beiden Vorschriften.

Die mit IP klassifizierte Schutzart ist von zu unterscheiden von der Schutzklasse. Während die IP-Schutzarten den Schutzgrad des Gehäuses gegen Berührung, Fremdkörper und Wasser definieren, bestimmen die Schutzklassen Maßnahmen gegen berührungsgefährliche Spannungen an betriebsmäßig nicht unter Spannung stehenden Teilen von Betriebsmitteln.

Nomenklatur

Den in der Schutzartbezeichnung immer vorhandenen Buchstaben IP werden zwei Kennziffern (allgemein ohne Zwischenraum) angehängt. Diese Ziffern und ggf. die Zusatzkennzeichung durch Buchstaben zeigen an, welchen Schutz ein Gehäuse bezüglich Berührung bzw. Fremdkörper (erste Kennziffer) und Feuchtigkeit bzw. Wasser (zweite Kennziffer) bietet. DIN 40050-9: 1993-05 den Buchstaben K für die Kennzeichnung der Ausrüstung von Straßenfahrzeugen bei einzelnen Kennziffern vor. Wird eine der beiden Kennziffern nicht angegeben soll, diese durch den Buchstaben X ersetzt weden (zum Beispiel „IPX1“).

Schutzart für Berührungs- und Fremdkörperschutz (1. Kennziffer)

DIN EN 60529[1] und DIN 40 050 Teil 9[2]

DIN 40 050-9 Ziffer DIN EN 60529
Ziffer
Schutz gegen Berührung
Schutz gegen Fremdkörper
Symbol
0 0 kein Schutz kein Schutz
1 1 Geschützt gegen den Zugang mit dem Handrücken Geschützt gegen feste Fremdkörper (Durchmesser ab 50 mm)
2 2 Geschützt gegen den Zugang mit einem Finger Geschützt gegen feste Fremdkörper (Durchmesser ab 12,5 mm)
3 3 Geschützt gegen den Zugang mit einem Werkzeug Geschützt gegen feste Fremdkörper (Durchmesser ab 2,5 mm)
4 4 Geschützt gegen den Zugang mit einem Draht Geschützt gegen feste Fremdkörper (Durchmesser ab 1,0 mm)
5K 5 Geschützt gegen den Zugang mit einem Draht Staubgeschützt
6K 6 Geschützt gegen den Zugang mit einem Draht Staubdicht

Schutzart Wasserschutz (2. Kennziffer)

DIN EN 60529[1] und DIN 40 050 Teil 9[2]

DIN 40 050-9
Ziffer
DIN EN 60529
Ziffer
Schutz gegen Wasser
Symbol
0 0 kein Schutz
1 1 Schutz gegen senkrecht fallendes Tropfwasser
2 2 Schutz gegen fallendes Tropfwasser, wenn das Gehäuse bis zu 15° geneigt ist
3 3 Schutz gegen fallendes Sprühwasser bis 60° gegen die Senkrechte
4 4 Schutz gegen allseitiges Spritzwasser
5 5 Schutz gegen Strahlwasser (Düse) aus beliebigem Winkel
6 6 Schutz gegen starkes Strahlwasser
6K Schutz gegen starkes Strahlwasser unter erhöhtem Druck, spezifisch für Straßenfahrzeuge
7 7 Schutz gegen zeitweiliges Untertauchen
8 8 Schutz gegen dauerndes Untertauchen
9K Schutz gegen Wasser bei Hochdruck- /Dampfstrahlreinigung, spezifisch für Straßenfahrzeuge  

Bitte beachten Sie die Volltexte der jeweiligen Normen!

Häufige Schutzarten

Im Anlagen- und Industriebau gilt normalerweise IP54. Im Bau von Schaltschränken IP20. ImKraftfahrzeugbau ist beim Einbau im Trockenraum des Fahrzeugs bis zu IP55 gängig (Vorgaben für die Einbaulage sind nicht unüblich, so dass das so genannte "Regenschirm"-Prinzip entsteht). Bei Verwendungen in Baumaschinen, im Katastrophenschutz, für Wehrtechnik, offen zugänglichen Einbauorten und im Motorraum von Straßenfahrzeugen wird IP 6K6K, IP 6K7, IP 6K8 und IP 6K9K nach DIN 40050.9: 1975-02 (zurückgezogen) verwendet. Teilweise werden auch Kombinationen der Schutzarten verwendet.

Oft (zum Beispiel bei Bedienelementen im ÖPNV oder in Aufzugsanlagen) muss auch Vandalismus berücksichtigt werden, dann ist IP5X angezeigt. Das gleiche gilt ebenso, wenn die Betätigungsstromkreise mit Kleinspannung arbeiten und keine erhöhte Verschmutzungsgefahr besteht.

Vollständiger Berührungsschutz wird ab IP 5X gewährleistet, da ab diesem Schutzgrad ein unbeabsichtigtes Eindringen verhindert wird.


 [1] DIN EN 60529; VDE 0470-1:2000-09 Norm, 2000-09: Schutzarten durch Gehäuse (IP-Code) (IEC 60529:1989 + A1:1999); Deutsche Fassung EN 60529:1991 + A1:2000 DIN EN 60529 definiert weder IPX9 noch IPX9K. DIN 40 050 Teil 9 definiert ebenfalls kein IPX9, sondern nur IPX9K.
DIN IEC 60529/A1; VDE 0470-1/A1:2010-04
Norm-Entwurf , 2010-04 Schutzarten durch Gehäuse (IP-Code) - Vorschlag für IPX9 "Hochdruckwasserprüfung" (IEC 70/118/CD:2009) Mit diesem Entwurf soll die bestehende Norm DIN EN 60529 "Schutzarten durch Gehäuse (IP-Code)" um die Beschreibung der Prüfung für IPX9 ergänzt werden (Prüfung der Beständigkeit von Gehäusen gegen Hochdruckreiniger)
[2]
DIN 40050-9  Norm, 1993-05 Schutzarten; Berührungs-, Fremdkörper- und Wasserschutz, Elektrische Kraftfahrzeugausrüstung

Bis IPX6 (bei DIN EN 60529: 2000-09) bzw. IPX6K (bei DIN 40 050-9: 1993.05) sind die darunter liegenden Schutzgrade eingeschlossen. Bei den höheren Schutzklassen gilt dies für die Wasserschutzgrade 7, 8 und 9K nicht automatisch. Falls ein Einschluss einer niedrigeren Schutzart gefordert wird, ist dies durch eine Doppelbezeichnung angegeben, beispielsweise IPX6K/IPX9K.

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